Sonntag, Juni 14, 2009

Jetzt ist das Tochter-Kind fast schon volljährig,



jedenfalls sind wir schon mitten in der Zeit, in der es darum geht, mehr und mehr Freiheiten gewähren zu müssen. Das fällt mir nicht immer leicht. Denn das Tochter-Kind ist immer noch mein Kind und ich glaube nicht, dass in absehbarer Zukunft, das Kind-sein für mich aufhört.
Davon will sie gar nichts wissen. Es ist ihr ja schon peinlich, wenn ich Nachts um eins oder um zwei komme und sie abzuholen. Lieber würde sie in der finsteren Nacht bei Regen duch sie dunkle Stadt laufen.
So ganz stimmt das natürlich auch wieder nicht. Wenn es regnet oder friert, ist es dem Tochter-Kind schon ganz recht, wenn ich in der Nacht komme und sie Heimfahre. Aber zugeben würde sie das nie.
Aber das sollte heute eigentlich gar nicht das Thema sein. Thema sollte sein, dass heute die Familie im Kino war um einen Kurzfilm anzusehen, in dem das Tochter-Kind eine Rolle gespielt hat und auch sonst an der Realisierung beteiligt war.
Im Vorfeld konnte das Tochter-Kind gar nicht genug betonen, wie schlecht der Film geworden sei. Die Sprache sei nicht natürlich. Geschminkt seinen die Darsteller auch nicht richtig und überhaupt...
Nun wir ließen uns nicht abschrecken. Die Großeltern natürlich auch nicht. Nur der Kleine Bruder konnte sich nicht so recht für diesen Kinogang begeistern. Er war gerade dabei neue Star-Wars-Fighter und -Stationen mit Legobausteinen zu bauen. Damit wollte er lieber weiter machen, als am Sonntag ins Kino zu gehen und einen Film in dem die Großen-Schwester mitmachte, anzusehen.
Wir erreichten den Veranstaltungsort rechtzeitig. Und das, obwohl das Tochter-Kind erst wenige Stunden vorher nach Hause gekommen war -sie hatte bei einer Freundin übernachtet - und sie noch einen Kuchen backen musste. Alles hat funktioniert. Wie gesagt, wir waren pünktlich. Die Großeltern waren auch schon da.
Was soll ich sagen? Es war alles professionell organisiert. Es gab richtige Filmplakate. Der Film konnte man auf gepressten, nicht gebrannten DVDs erwerben. Die Veranstaltung fand in einem richtigen Kino statt. (Cinenova in Köln Ehrenfeld).
Aber die Veranstaltung begann nicht pünktlich! Und dafür hatten wir uns so beeilt.
Mit kaum einer 1/2 Stunde Verspätung konnten wir dann ins Kino gehen und uns einen Platz suchen. Das Kino war zu gut 3/4 voll. Verwandte, Freunde und Darsteller, sowie die Techniker/Technikerinnen waren natürlich gekommen.
Es gab ein Making Of und dann fing der Film an.
Nach den Ankündigungen des Tochter-Kindes, war ich auf das Schlimmte gefasst. So ein Jugendfilm wie die mdr-Serien im KiKa. Schlechte Schauspieler, hölzerne Sprache und alles so fern davon echt zu wirken wie es nur geht. (Ich glaube, die mdr-ler machen eine spezielle Schulung mit um so unnatürlich zu wirken. Von alleine geht das nicht. Muss doch Absicht sein.) Ich war also gewappnet.
Und dann...
Keine wilde Story, aber stimmig. Die Rollen nahm ich den handelnden Personen ab. Sie wirkten Glaubwürdig. Es war einfach gut und professionell. Nach der Aufführung, meinte das Tochter-Kind, dass auf der Leinwand -also im Kino- die Farben gestimmt hätten und auch der Sound in Ordnung gewesen sei. Als sie das vor ein paar Tagen auf dem Computer gesehen hatte, sah das alles schrecklich aus. Jetzt war es OK.
OK, dann.


Sonntag, August 13, 2006

Rituale


Manchmal weiß man gar nicht so genau, wie so manches Ritual entstanden ist. Das ist aber auch nicht wichtig. Wichtig ist nur, dass es sie gibt und dass sie einem einen Halt geben oder auch nur einen Handlungsrahmen an dem man sich orientieren kann.

Tochter-Kind und Vater-Mann haben auch so ein Ritual. Es ist aus dem „Gute Nacht sagen“ entstanden. Früher, bevor es das Ritual gab. Kam Tochter-Kind zu Vater-Mann, sagte „Gute Nacht“, und das war’s dann. Vater-Mann sagte dann wohl auch so was wie: „Gute Nacht, mein Schatz“. Im Laufe der Zeit schlichen sich kleine Erweiterungen und Variationen ein. Wenn Vater-Mann Tochter-Kind umarmte, krabbelte er sie hin und wieder an ihren Rippen und meinte dabei: „Oh mein Kind, was bist du fett, geworden!“

-„Ich bin doch gar nicht fett.“

-„Natürlich bist du fett. Wenn ich dünn bin – und niemand wird dem widersprechen wollen – und Du genau das Gegenteil von dem bist, was ich bin, dann bist du fett.“ Dieser Argumentationskette ließ sich nichts entgegensetzen. Dies sah dann auch Tochter-Kind ein. Schließlich kann man sich gegen Tatsachen nicht wirklich lange verschließen.

- „Jetzt, im Lichte deiner Weißheit, sehe auch ich es ein –Liebster Herr Vater. Mutter-Frau jedoch, ist dreimal fetter als wir.“

- „So sei es denn Tochter-Kind. Gehabe dich wohl und hebe dich von dannen“.

Damit hat es wohl begonnen. Da die Tatsache, dass Mutter-Frau viel fetter war, als alle anderen, nun einmal unverrückbar feststand, musste diese auch nicht immer wieder wiederholt werden. Deshalb richtete sich die Ritualgestaltung mehr auf Gegebenheiten, die gar nicht oft genug betont und sich gewünscht werden können. Und was liegt schon näher, als eine Gute Nacht und schöne Träume zu wünschen? Wenig.

So entwickelte sich das Ritual in dieser Weise.

-„Gute Nacht, geliebter Herr Vater-Mann“. Leicht neigt Tochter-Kind den Kopf, damit Vater-Mann aus der sitzenden Position heraus die zaghaft dargebotene Stirn mit einem nicht schleimigen Kuss streifen kann. Kaum streifen die Lippen die Kopfhaut.

- „Gute Nacht, mein Schatz. Schlaf schön und Träum was schönes.“ Pause, 5 Sekunden, 10 Sekunden, manchmal 15 Sekunden, „muss nicht von mir sein, falls dir etwas besseres einfällt.“

- „Oh geliebter Herr Vater-Mann, wie kann es etwas schöneres geben, von dem ich träumen könnte. Sicherlich will mir nichts ähnlich Schönes einfallen.“

- „Tochter-Kind, postulieren wir hier einmal die Unendlichkeit des Universums, so ist es nicht völlig von der Hand zu weisen, dass es etwas ähnlich Schönes für deinen Traum existieren kann.“

- „Dies mag wohl so sein, aber es wird nahezu unendlich schwierig werden, ein solch Ding zu finden. Und warum die Mühe machen, da Ihr doch hier seid. Ein Traum von Euch wird mich sicher durch die Nacht geleiten. Es wäre mir eine große Freude, wenn Ihr mir die Erlaubnis gäbet von Euch zu Träumen.“ An dieser Stelle musste Vater-Mann immer sehr tief seufzen.

- „Nun mein Kind, zu welchen Opfern ist ein Elter nicht bereit, wenn es dem Kinde frommt. Nur treib es in der Nacht nicht zu arg. Dein Vater-Mann ist nicht mehr jung und unbelastet. Früh hat ihn die Sorge und Mühsal altern lassen.“

- „Habt Vielen Dank, liebster Herr Vater-Mann“.

- „Und jetzt ab ins Bett – keine weiteren Verzögerungsversuche mehr.“

Tochter-Kind geht ab.

Jungen sind anders. Ganz anders. Nicht soviel Reden, Aktion ist angesagt. Kleiner-Bruder, dass Sohn-Kind hat es zu einem andersartigen Ritual gebracht. Dieses Ritual ist dafür auch fast völlig von Sohn-Kind selbst geschaffen worden. Es heißt: „Wir treffen uns auf der Treppe“.

„Wir treffen uns auf der Treppe“ kommt immer dann, wenn Sohn-Kind seine Zähne geputzt hat und ins Bett soll. Früher einmal kam Sohn-Kind dann die Treppe hinunter in den Wohnbereich näherte sich Vater-Mann und sagte das schon berühmte: „Guhhute Naaacht“. Sohn-Kind dehnt die Worte bei bestimmten Gelegenheiten. Irgendwann einmal – niemand weiß mehr den Anlass – lief Vater-Mann Sohn-Kind hinterher und wollte ihn fangen. Diese ganze Aktion verlief mit viel Gekreisch und Lachen und Schreien und endete im Zimmer von Kleiner-Bruder. Besonders gut gefallen hat Sohn-Kind die Jagt auf der Treppe. Mutter-Frau stand oben auf der Galerie, als Sohn-Kind nach oben stürmte und schrie: „Schnell Mutter-Frau mach die Türe auf! Hilfe! Haha.“. Die Jagt endet immer vor dem grünen Teppich. Das ist neutraler Boden. Manchmal versucht Sohn-Kind sein Glück, wenn er während Vater-Mann noch im Zimmer weilt, die Neutrale Zone verlässt und Vater-Mann provoziert. „komm doch, du kriegst mich nicht.“ Gemein und unfair ist es dann, wenn Vater-Mann ihn doch erwischt und damit droht Sohn-Kind in den Po zu beißen. Großes Geschrei: „Nein, das gilt nicht, Hilfe.“ Lässt Vater-Mann Sohn-Kind daraufhin wieder los, so beginnt das Spiel wieder von vorne.

„Wir treffen uns auf der Treppe“, ruft Sohn-Kind von der Galerie. Vater-Mann erhebt sich und beginnt mit den Vorbereitungen zur Jagt. Vor der Treppe zieht Vater-Mann die Pantoffel aus, damit er schneller die Treppe hinauf rennen kann. Mutter-Frau wird von Sohn-Kind neben der Türe postiert. Langsam kommt er die Stufen herunter. Zu Mutter-Frau gewandt macht er die Geste mit dem Daumen nach oben. „Gute Naacht“.

- „Ja, komm mein Kind“ – einschmeichelnd.

- „Ich komme schon. Gute Naacht“.

Vater-Mann legt die Arme um Sohn-Kind und haucht einen Kuss auf das Haupt des Sohnes. Dieser macht sich frei und schleicht, rückwärts gehend einige Stufen nach oben. Scheint eine sichere Position erreicht zu sein und Vater-Mann steht immer noch abwartend am Fuß der Treppe, beginnt Sohn-Kind mit seiner Elter-Beschimpfung: „Altersschwacher Tarzan. Rostige Bananenschale. Krieg mich doch“. Woraufhin Vater-Mann von wilder Empörung gepackt beginnt, die Treppe nach oben zu laufen und den bösen Buben einzufangen und ihn Mores zu lehren. „Was für eine Unverschämtheit. Warte, Bursche, ich kriege dich und dann ergeht es dir schlecht.“

- „Mutter-Frau, schnell, mach die Türe auf“, schreit Sohn-Kind von wilder Panik gepackt und stürmt auf sein Zimmer zu, Vater-Mann hat ihn schon fast erreicht, versucht Sohn-Kind mit den Armen zu umschlingen, Sohn-Kind duckt sich. Entkommt im letzten Augenblick der tödlichen Umklammerung und erreicht gerade noch den grünen Teppich.

Gerettet!

Mittwoch, August 09, 2006

Alle Menschen sind bei ihrer Geburt unsterblich


Es ist egal, ob es Tochter-Kinder oder Sohn-Kinder sind, selbst die Erwachsenen-Menschen sind unsterblich. Buchstäblich jeder ist unsterblich. Ist dir das auch schon mal aufgefallen? Kinder-Menschen sprechen so selbstverständlich davon dass jemand stirbt, oder "wenn jemand dann tot ist", dass du ganz schnell merkst, die Möglichkeit der Endlichkeit der Existenz wird völlig negiert. Der Tod wird als etwas irreales mit ins Gespräch eingeschlossen, in der Wirklichkeit aber gibt es ihn gar nicht. Jeder Mensch ist so lange unsterblich, wie er unbefangen ist. Nur die Unbefangenheit hat die Kraft, den Menschen vor dem Tod zu schützen. Den glücklichen Menschen wird die Unbefangenheit nie genommen. Alle anderen fangen an Erwachsen zu werden, nachdem ihnen die Endlichkeit ihres eigenen Lebens bewusst geworden ist. Dieses Bewusstwerden kann auf ganz unterschiedliche Arten geschehen.
Vater-Mann hat seine Unsterblichkeit verloren. Dabei waren nicht einmal die dramatischen Umstände das verändernde Moment, sondern die Bewusstwerdung, das es wirklich und in echt möglich ist. Das es ein echtes Ende gibt. Und Vater-Mann keinen, auch nicht den geringsten Einfluss darauf hat. Schwer war akzeptieren zu müssen: Es gibt größere Mächte als ich. Das ist es, was die Zeit erfordert. Das ist der Prozess, der einen erwachsen werden lässt, auch wenn man es nicht will. Erwachsen werden heißt auch älter werden. Das Ende der Jugend. Es ist aber nicht schlecht erwachsen zu werden. Doch tun sie weh, die Übergänge. Von diesem Übergang will ich erzählen.
Kindergärten sind die Orte, an denen Vater-Männer und Mütter-Frauen, ihre Kinder abgeben, damit durch Fronarbeiten lernen, ein für die Eltern bequemes Verhalten an den Tag zu legen. Dies ist auch ein Teil der weltumfassenden Verschwörung der Eltern gegen ihre Kinder. Doch davon später mehr.
In diesem Land gibt es öffentliche Kindergärten und es gibt Kindergärten, die von einem Verein (einem Elternverein! Achtung Kinder, denkt an die Verschwörung) getragen werden. Auch der Kindergarten in den Tochter-Kind ging, wurde von einem Verein getragen. Solange alles gut geht, bringen die Eltern morgens die Kinder und holen sie dann (hoffentlich) bis zu einem definierten Zeitpunkt wieder ab. Jedenfalls war das für Vater-Mann so. Morgens auf dem Weg zur Arbeit packte Vater-Mann Tochter-Kind in den Sicherheits-Kindersitz und brachte Tochter-Kind zum Kindergarten. Gab sie ab und fuhr zur Arbeit. Mutter-Frau fuhr dann nachmittags hin und holte Tochter-Kind wieder ab. Manchmal war das auch genau umgekehrt. Dieser spezielle Kindergarten, oder eigentlich diese "Tagesstätte für Kinder", wie es richtig hieß. Und darauf wie es richtig hieß wurde im Folgenden besonders geachtet.
Was Vater-Mann nicht wusste war, (Du erinnerst dich, man gib die Kinder ab und holt sie dann zu einer definierten Zeit wieder ab.) dass es eine Krise im Verein gab. Die ewige Auseinandersetzung Gut gegen Böse. Die ständige Diskussion, wer denn jetzt der Böse und wer der Gute war. Mutter-Frau war engagiert. Es ging schließlich um die Kinder, und wurde in Auseinandersetzungen hineingezogen, deren Verlauf und deren Abgründe sie nie erwartet hätte. Vater-Mann übrigens auch nicht. Vater-Mann wollte eigentlich auch nichts damit zu tun haben. Er hatte genug mit seiner Firma zu tun, der es nicht wirklich gut ging. Eigentlich eher schlecht. Noch einen Kriegsschauplatz wollte er nicht haben. Nicht einbezogen sein in den Streit von anderen. Tja, der Mensch denkt... . Sich nicht einbeziehen zu lassen ist gar nicht so einfach, wenn jemand beschlossen hat, sein Standpunkt ist der einzig richtige.
Eines der Anzeichen, dass es schon zu spät war, sich rauszuziehen (obwohl doch noch gar nicht drin). war eine folge von für Vater-Mann sehr merkwürdigen Anrufen. Normalerweise, wenn jemand anrief und irgendwas wegen der Kinder oder des Kindergartens wollte, war die automatische Reaktion von Vater-Mann, seine Frau zu rufen und ihr den Telefonhörer in die Hand zu drücken. Lass mich damit in Frieden. Bei diesem speziellen Anruf ging. das nicht, Mutter-Frau war nicht zuhause. Was er denn von den Vorgängen in der Einrichtung halte?
Welche Vorgänge? Wenn was anliegt, die Frau kommt in einer oder zwei Stunden zurück.
Wie?! Hat er denn kein Interesse daran, wie es den Kindern in der Einrichtung ergeht?
Was denn los sei, wollte er wissen.
Was los sei? Was los sei? Zum Beispiel das mit dem Basteln.
Was ist denn mit dem Basteln?
Nichts läuft so, wie es soll. Das kann doch so nicht weitergehen. Da müsse was unternommen werden.
Er sei nicht informiert. Dies sei das Metier seiner Frau, die sei im Elternrat. Wenn sie (die Anruferin) wieder in der Lage sei, ein vernünftiges Gespräch zu führen (denn inzwischen hatte die Form und Lautstärke schon etwas Hysterisches und Aggressives an sich), dann könne sie ja noch mal anrufen. Sprachst und legte auf. Ruhe. Erstmal. Der Anfang. Du kannst dich nicht rausziehen. Egal was du machst oder nicht machst. Wenn dich einer einbeziehen will, wirst du einbezogen und wenn es einfach durch Behauptungen erfolgt, du hättest etwas gesagt, getan oder unterstützt. Auch wenn es keinen vernünftigen Grund geben könnte, warum du zu diesem Thema etwas sagen, etwas tun oder gar etwas zu unterstützen hättest.
Du wirst Bestandteil einer Intrige, wirst den Zielen bestimmter Personen geopfert, ohne gefragt zu werden. Du bist ein Mittel zum Zweck geworden. Hast neue Feinde. Wenn du auch nicht weißt warum. Und neue Leute, die sagen, dass sie deine Freunde sind. Merkwürdigerweise, wird der eine oder andere wirklich zu deinem Freund. Auch Opfer. Aber Opfer bleiben nicht immer Opfer. Abwarten.

Kurz gesagt, es braute sich was zusammen. Unter der Oberfläche hatte es wohl schon länger gebrodelt. Von Vater-Mann aber weitgehend ignoriert, oder besser gesagt, nicht wahrgenommen. Mutter-Frau hatte das eine oder andere mal von verschiedenen Treffen berichtet, bei denen es zu verbalen Eskalationen gekommen war. Von Vater-Mann meist abgetan mit Hinweisen darauf, dass es immer einen gibt, der sich besonders profilieren oder produzieren will.
Da hatte er sich aber ganz schon geirrt! Was sich hier so langsam anbahnte, war letztendlich das Ende, des Vereins, das Ende der Kindergärten und schlussendlich das Ende von Vater-Manns Unsterblichkeit.
Die Auseinandersetzungen wurden öffentlicher und konnten von niemandem mehr ignoriert werden. Es kam immer wieder zu sehr kurzfristig angekündigten Schließungen des Kindergartens, so dass Vater-Mann und Mutter-Frau immer wieder vor das Problem gestellt wurden, wie und wo sie das Tochter-Kind für den Tag untergebracht und versorgt bekamen.
Eltern schlossen sich zu Gruppen zusammen und organisierten Kindergruppen in den Wohnungen, bei den Eltern, die es gerade ermöglichen konnten, einige Kinder zu beaufsichtigen. Das hatte auch etwas Gutes. Bekanntschaften wurden zu Freundschaften und halten auch heute, Jahre später noch. So was schweißt zusammen.
Auch auf der "offiziellen" Seite tat sich was.
Es hatten sich zwei Gruppen herausgebildet. Die eine Gruppe, wollte die Leitung und den Geschäftsführer des Vereins absägen. Die andere Gruppe fand die Arbeit gut und wollte sie fortsetzen. Mutter-Frau und Vater-Mann gehörten irgendwie zu der Gruppe der Fortsetzungsbefürworter. Einerseits aus Überzeugung, andererseits aus Manipulation.
Mit Manipulation ist das so eine Sache... Nur weil man sich manipulieren lässt, heißt das noch lange nicht, dass die Manipulation nicht bemerkt wird. Sie wird als störend empfunden. Sie wird als herabwürdigend empfunden und sie wird mit immer neuen Argumenten vor einem selbst verteidigt. Sie wird erklärt. Es wird ihr Verständnis entgegen gebracht. Die Ziele stimmen, dann ist es ja nicht ganz so schlimm. Der Mann versucht sich zu verteidigen, darum geht es so vor. Es ist schon erstaunlich, wie man sich selbst belügt und wie lange man an seine eigenen Lügen glaubt.
Inzwischen gab es immer mehr "Info-" Veranstaltungen, öffentliche, offizielle und inoffizielle Treffen. Die inoffiziellen Treffen diensten hauptsächlich dazu, die Infoveranstaltungen und die weiteren Aktionen vorzubereiten. Sie dauerten bis spät in die Nacht. Ein, zwei, dreimal die Woche. Nebenbei hatte Vater-Mann noch seine Arbeit, die zwar umfangreich war, jedoch derzeit kaum genügend einbrachte um die laufenden Kosten zu decken. Die Mitarbeiter von Vater-Mann waren zwar produktiv. Sie entwickelten ein Programm, dass eines Tages Marktführer werden sollte, aber das brachte noch nichts ein. Die einzige aktive Einkommensquelle waren die Jobs von Vater-Mann. Es war keine einfache Zeit. Vater-Mann war schon mal recht erschöpft. Da er aber Unsterblich war, konnte ihn nichts und niemand daran hindern, alle diese Aufgaben anzunehmen und anzugehen. Nur manchmal, meist wenn er dann spät nach Hause kam und allein am Küchentisch saß und Fachzeitungen lass oder nur blätterte, drückte er sich den Single Malt rein. Solange, bis er schlafen konnte. Auch mal mehr als nötig gewesen wäre. Jeden Abend. Jede Nacht. Hauptsache schlafen können.
Inzwischen war die Situation so weit eskaliert, das die zuständigen Behörden und auch die Presse von den verschiedenen Gruppen kontaktiert wurden. Es gab Mini-Demos. Jede Gruppe verachtete die andere für das jeweilige Vorgehen und den "Missbrauch" der eigenen Kinder, nur um seine Ziele durchsetzen zu können.
Schizophren. So sind sie die Erwachsenen. Alles was die anderen machen ist unsauber und nicht in Ordnung. Wir es selber gemacht, ist es etwas völlig anderes. "Hast Du gehört, dass die mit Ihren Kindern ins Jugendamt sind und da die Kinder in das Büro des Amtsleiters geschoben haben um ihre Forderung durchzurücken". "Unglaublich! Die sollten sich was schämen! Die eigenen Kinder so zu benutzen."
Als dann zwei Wochen später die eigene Gruppe mit einem Pulk Kinder das Büro mehr oder weniger gestürmt hat, war das kein Thema mehr.
Einer der Feinde/Freunde, war die Presse. War die Berichterstattung im eigenen Sinne, war das ein sauberer Journalismus, wenn nicht, war es die unterste Kanallie. Wie schön, so konsequent und geradlinig zu sein. Und wie gut, dass niemand einen vor seinen Karren spannen kann.
Im Zuge der Ereignisse wurde es manchmal sehr schwer, die Kinder unterzubringen. Es war manchmal kaum möglich, eine vernünftige Versorgung sicher zu stellen. Wie schon erwähnt, griffen die Eltern zur Selbsthilfe und organisierten die Betreuung ringsum bei den Eltern und Freiwilligen, die bereit waren, eine Gruppe von Kindern zu betreuen. Wenn irgend möglich wurde versucht, die Kinder zusammen zu bringen, die miteinander befreundet waren. Es wurden Verabredungen getroffen und die Kinder freuten sich dann schon auf das Treffen, auch wenn sie ihren Kindergarten mit den dort gegebenen Möglichkeiten hart vermissten. Manchmal endeten die Versuche eine Tagesgruppe einzurichten (Bis zum nächsten Öffnungstag des Kindergartens) auch mit Tränen. Tochter-Kind hatte eine besondere Freundin und einen Freund im Kindergarten Isa und Benny natürlich. Später würde sie beide Heiraten. Oder auch noch eine zweite Freundin dazu. Sie würden auf einem Bauernhof leben und Tochter-Kind würde noch als Schauspielerin viel herumreisen. Eben jene Isa sollte an diesem speziellen Tag in der gleichen Ausweichgruppe sein, wie Tochter-Kind. Tochter-Kind litt sehr unter der damaligen Situation. Jeden Tag neue Unsicherheit: "Ist heute Kindergarten?" "Wo müssen wir denn heute hin?" "Wer ist denn da?". Alles sehr schwierig. Keine Ruhe, kein Friede, nur Stress und Verunsicherung.
Isa sollte also auch da sein, die anderen Kinder waren OK, aber keine besonderen Freunde von Tochter-Kind. Vater-Mann und Tochter-Kind fuhren also morgens los. Soweit war ja noch alles in Ordnung. Tochter-Kind sprach darüber, was sie und Isa machen würden. Gut so. Dann die Ankunft. Auch in Ordnung. Es gab Spielgerät, einen großen Garten, die drei Kinder der hier wohnenden Eltern waren auf und gut drauf. Aber wo war Isa? "Kommt Isa bald?"
"Tut mir Leid, aber Isas Mammi hat angerufen und gesagt, dass Isa heute zuhause bleibt. Ist doch nicht so schlimm, wir haben es hier auch ohne Isa sehr schön."
Vater-Mann schaute sein Tochter-Kind an. "Ist alles in Ordnung?" "Ja", aber Tochter-Kind schaute schon etwas merkwürdig aus der Wäsche. "Wirklich? Es wird dir hier schon gefallen." Tochter-Kind brach in Tränen aus. Die ganze Situation war gekippt. Der für Tochter-Kind wichtigste Faktor war verschwunden. Der Halt war weg. Was tun? Vater-Mann musste arbeiten. Vater-Mann hatte sein Büro in einem Bauerhof und dort wohnte auch Benny mit seinen Eltern. Vielleicht war Benny ja auch zuhause. "Ich ruf mal an, wenn er nicht da ist, bleibst du heute im Büro bei mir. Ist das gut?" Tochter-Kind heulte und kriegte sich nicht mehr ein. Sprechen konnte sie nicht, aber mit dem Kopf nicken ging schon.
Anruf bei Benny. Benny war heute zuhause. Ob Tochter-Kind kommen kann? Kein Problem. Kommt rüber.
Vater-Mann und Tochter-Kind verabschiedeten sich, Vater-Mann entschuldigte sich, war schon ein bisschen peinlich, das nette Angebot so klar auszuschlagen. Doch dann ging es los. Und die Erleichterung von Tochter-Kind war unübersehbar. Bei Benny angekommen, sagte sie "Tschöö" und ward bis auf eine kurze Stippvisite am Nachmittag im Vater-Manns Büro nicht mehr gesehen. Besser war das!
So war dieser Tag doch noch zu einem guten Abschluss gebracht.
Aber das war noch die geringste der Auswirkungen, die nun folgen sollten. Es wurde ein richtiger Krieg eröffnet. Mit allen Mitteln und ohne jeder Rücksicht, wurde der eigene Vorteil gesucht. Es ging nicht mehr darum, für die Kinder eine Lösung zu finden, es ging allein nur noch darum zu Gewinnen und die „anderen“ fertig zu machen. Es gab keine Grenzen mehr. Über die persönliche Verleumdung hinaus, wurden Allianzen mit den Institutionen und Behörden geschlossen, welche die „Aufsicht“ hatten. Auch die Amtsleiter hatten nun endlich eine Möglichkeit gefunden, den unbeliebten, weil unbequemen Vereinsvorsitzenden los zu werden. Ja, jetzt konnte man sich profilieren. Es wurden Informationen an andere Behörden und Ämter weitergegeben, die auf Hörensagen beruhten und keinen anderen Zweck verfolgten als die Position und das Ansehen der Personen zu verunglimpfen, die eine andere Position vertraten, als man selbst. Abkommen, die zum Zeitpunkt des Abschlusses noch völlig illegal waren wurden geschlossen. Die Leiter des Jugendamtes und des Landschaftsverbandes taten sich besonders unrühmlich hervor. Sie verbreiteten das Gerücht, es hätte sexuellen Missbrauch gegeben. Eine beliebte Methode um unliebsame Menschen wenn schon nicht mit rechtlichen Mitteln, so doch in der Öffentlichkeit fertig zu machen. Wenn dann Monate später alle Ermittlungen eingestellt werden, weil es kein Ergebnis, sprich keinen Missbrauch gab, war das Ziel schon erreicht worden. Die Arbeit von vielen Jahren, das persönliche Ansehen und die wirtschaftliche Zukunft eines Menschen waren zerstört.
So auch hier geschehen. Diese Geschichte ließe sich noch in vielen Einzelheiten beschreiben. Doch gehört sie in dieser Tiefe nicht hier her.
Nun war es nicht so, dass der Leiter und Vorsitzende völlig Unschuldig an den Geschehnissen war. Auch er liebte es andere zu Manipulieren und wenn sie sich nicht so verhielten, wie er es wünschte, mit unterschwelligen oder direkten Drohungen zu arbeiten. Mit einem solchen Verhalten macht man sich auf Dauer wirklich keine Freunde. Anfänglich hatte Vater-Mann noch geglaubt, dass es der Druck sei, der da von Außen auf den Vorsitzenden ausgeübt wurde, der diesen dazu veranlasst, so teilweise überzogen zu Agieren und zu Reagieren. Später dann, als Vater-Mann schon nicht mehr unsterblich war, musste er vor sich selbst zugeben, das dem nicht so war. Das dieser Mann nicht nur Kämpfte um sich zu verteidigen und seine Arbeit zu Schützen, sondern das dieser Mann ganz gerne mal wild um sich schlug und den Super-Querulanten-Mann gab.
Im aktuellen Stadium unserer Geschichte war es noch nicht so weit, dass Vater-Mann zu einer derartigen Erkenntnis gekommen war. Noch befanden wir uns in einem Stadium, in welchem Vater-Mann, der ehemalige Vorsitzende und einige Mitstreiter versuchten, den verein und die Einrichtungen für die Kinder zu retten.
Es fanden Gespräche mit der Stadt und dem Landschaftsverband statt. Wie sich später herausstellte, waren diese Gespräche eine Farce. Eine Farce deshalb, weil schon alles Beschlossen war. Der verein sollte zerschlagen werden. Ein neuer Träger war schon gefunden worden (zwar nicht für die Kinder, die jetzt betreut wurden, aber die Zahl der Kinder änderte sich nicht. Dadurch konnte man sagen: „Wir haben schnell reagiert und alles ins Reine gebracht.“)
Den neuen Vorstandsmitgliedern, zu denen auch Vater-Mann gehörte, wurden Forderungen gestellt, die angeblich dazu führen sollten, dass die Einrichtungen weiter geführt werden konnten. Kaum war eine Forderung erfüllt, kam die nächste und die nächste und so fort.
Dass nicht alles so ganz koscher war, hätte Vater-Mann schon daran merken können, dass die beteiligten Personen aus den Ämtern extrem darauf bedacht waren, das es nichts schriftliches gab. Keine Protokolle und so. Als einmal ein Rekorder aufgestellt wurde um die Gespräche mitzuschneiden hieß es gleich: “Wenn das Band gestartet wird, oder wenn Sie Aufzeichnungen machen, beenden wir sofort das Gespräch.“ Mehr muss dazu, glaube ich, nicht sagen.
Als nun wirklich alles dem Ende entgegen ging. Vater-Mann auch nicht mehr an eine Lösung glaubte. Noch mehr Forderungen waren nicht einlösbar. War es die Nacht vor dem letzten und Abschließenden Gespräch im Hause des Landschaftsverbandes. Bis spät in die Nacht hatten die Beteiligten noch debattiert und sich die Köpfe heiß geredet, was denn noch getan werden könnte. Eigentlich war es aber jedem klar, dass es keine Rettung mehr gäbe. Am nächsten Morgen war es dann soweit, Vater-Mann verlor seine Unsterblichkeit und die Kinder ihren Kindergarten. Und Vater-Mann verlor den Glauben, dass es Menschen gibt, die nicht nur zynisch ihre Machtspielchen ohne Rücksicht auf die folgen spielten, ging verloren.
Vater-Mann lag im Bett. Es war vier Uhr morgens. Er konnte nicht schlafen. Die Gedanken rasten durch seinen Kopf. Es gab keine Ruhe mehr. Keinen Frieden. Was würde der Tag bringen? War wirklich alles verloren? Nach rechts wälzen. Versuchen zu schlafen. Nach Links wälzen. Keine Ruhe. Auf dem Rücken liegen und die Decke anstarren.
Gegen halb Fünf ist es dann passiert. Vater-Mann hat seine Unsterblichkeit verloren. Nur wusste er da noch nicht was geschehen war. Er spürte nur einen sehr heftigen Schmerz im Rücken. Er bekam keine Luft mehr. Er bäumte sich auf und krampfte zusammen. Wie lange das gedauert hat konnte Vater-Mann nicht sagen. Nur dass es sehr unangenehm war. Wirklich unangenehm. Irgendwann ebbte der Schmerz etwas ab. Vater-Mann blieb noch etwas liegen. Schließlich kämpfte er sich hoch. Es gab ja noch was zu erledigen. Der Termin beim Landschaftsverband stand noch an.
Der Termin fand dann auch statt. Diesmal gab es nichts mehr zu verbergen. Es war vorbei. Keine Spiele mehr. Zum Abschluss sagte Vater-Mann noch ein paar Worte, über den so erquickenden Zynismus und die philanthropische Grundeinstellung der Anwesenden, als ihm die Lichter ausgingen und er sich bemühen musste nicht vom Stuhl zu fallen. Ein paar Augenblicke später ging es dann wieder. Die Anderen schienen es nicht mitbekommen zu haben. Auch gut. Bloß keine Schwäche zeigen. Am Nachmittag wollte der verbliebene Vorstand sich noch einmal zu einem Gespräch treffen. Vater-Mann sagte, er wolle noch einmal kurz zu einem Arzt gehen, da es ihm heute nicht so richtig gut gehe. Dieses Gespräch hat dann niemals stattgefunden.
Vorher ist dann folgendes passiert:
Vater-Mann ist zu seinem Hausarzt gefahren. Hat sich einen Parkplatz gesucht und ist in die Praxis gegangen. Ging zu Anmeldung und sagte: “Mir geht es wirklich nicht gut.“ Irgendwie scheinen das auch die anderen anwesenden Menschen bemerkt zu haben. Die Sprechstundenhilfe geleitete Vater-Mann in einen Nebenraum. Der Arzt kam sofort rein. Ein anderer Patient musste wohl etwas länger warten. Vater-Mann wurde eindeutig bevorzugt. Alle warteten. Vater-Mann wurde aus Mantel und Jackett und Hemd gewickelt und mit vielen Saugnäpfen behangen. Eine Maschine spie eine meterlange Papierzunge aus, die mit wilden Krakeln verunstaltet war. „Machen Sie sich mal keine Sorgen, das kriegen wir schon wieder hin“. Nichts wirkt beunruhigender, als wenn Dein Arzt versucht, Dich zu beruhigen, obwohl Du noch gar nicht unruhig bist.
Wenige Minuten war der Krankenwagen da. Der Arzt ließ es sich nicht nehmen und begleitete Vater-Mann bis in die Klink. Innerhalb weniger Minuten war Vater-Mann von einem erwachsenen menschlichen Wesen zu einem entmündigten Objekt, um das man sich kümmern musste, mutiert.
Geheimnisvolle Dinge passierten. Vater-Mann war zwar Mittelpunkt, hatte aber keinerlei Einflußname-Möglichkeit. Er war jetzt ein Objekt. Ere war sterblich geworden. Er hatte einen Herz-Infarkt. Aber er lebte. Er war jung, wie die Ärzte sagten viel zu jung um einen wie auch immer gearteten Herzinfarkt zu haben. Noch keine 40 Jahre. Tja, Vater-Mann war schon in vielen Dingen immer ein wenig schneller und intensiver als die anderen.
Die Behandlung begann. Vater-Mann wurde körperlich wieder Gesund. Doch etwas Entscheidendes hatte sich geändert. Diese Änderung zu akzeptieren war sehr schwer. Hat sehr lange gedauert. Ist vielleicht noch nicht abgeschlossen. Vater-Mann lernte, dass er nicht mehr unsterblich ist. Kämpfte mit sich, suchte Ruhe, suchte Frieden, suchte irgendwas. Sagte sich: „OK, es wird wohl noch ein paar Jahre gehen, vielleicht bis 80. Was mache ich bis dahin? Bin ich jetzt Alt. Will ich alt sein? Vor ein paar Wochen war ich es noch nicht.“
Vater-Mann war wohl der Albtraum jedes Mediziners. Nichts wurde akzeptiert. Gegen alles wurde gekämpft. Mit Engelsgeduld musst ihm immer wieder erklärt werden, warum er noch nicht die Treppen rauf und runter gehen durfte. Auch wenn er sich Stark genug fühlte. Oder die Begegnung mit der Physiotherapeutin, die erste Übungen mit ihm machen sollte und ihn sitzend auf seinem Bett vorfand. Völlig entsetzt meinte sie, „Was machen S i e denn da?“
„Für was halten S i e es denn? – Ich sitze hier.“
„Sie dürfen noch gar nicht sitzen.“
„Ach. —Wie soll ich denn laufen, wenn ich nicht vorher sitze?“
„Laufen? Laufen!, wissen Sie welche Übung ich mit Ihnen machen wollte?“
„Nein, aber sagen Sie’s mir mal.“
„Sie sollten heute anfangen mit den Füßen zu wackeln.“
„Da kommen Sie aber ein wenig zu spät. Ich laufe schon seit dem Tag als ich aus der Intensiv entlassen wurde hier durch die Gänge.“
So ging es weiter. Beide fanden dann einen Kompromiss. Vater-Mann versprach, wenigstens keine Treppen zu laufen. Das tat er dann auch gerne, schließlich gab es einen Aufzug in der Klinik.
Insgesamt benötigten die Behandlung und das Finden des Abstands rund drei Monate. So unerträglich es für Vater-Mann anfänglich gewesen war, nicht am aktuellen Geschehen seiner Firma beteiligt zu sein, mit der Zeit fand er einen gewissen Abstand. Schaffte es, einfach so ganz entspannt durch die Stadt zu schlendern, Auslagen zu betrachten und ohne Hektik einfach zu gehen. An manchen Tagen dachte Vater-Mann gar nicht an die Firma.
Irgendwann begann Vater-Mann damit, erste kurze Besuche in seiner Firma zu machen. In der Zwischenzeit war sie Umgezogen. Der Platz in dem alten Bauernhof hatte schon vorher nicht gereicht. Jetzt war die Firma sogar zu Fuß erreichbar. Nach einem Spaziergang von einer knappen halben Stunde war er schon da. Was für ein Hallo! „Hier ist Dein Büro.“ Vater-Mann schaute mal rein. Dann öfter mal. Die Ruhe sollte noch bleiben. Doch langsam, zuerst unmerklich, dann merklich und dann immer schneller und intensiver… beschleunigten sich wieder die Schritte beim Spaziergang. Irgendwann war’s kein gehen mehr. Es war wieder laufen. Hat sich wieder einfangen lassen. Lebt immer noch. Lebt wieder – aber ist sterblich geworden.

Dienstag, August 01, 2006

Jetzt fehlt nur noch Opa-Mann


Opa-Mann hat Ausdauer. Opa-Mann ist manisch. Er prüft immer, ob das, was er gemacht hat, auch wirklich gemacht worden ist. Schließt er das Auto ab, wird kurz darauf geprüft, ob die Türen auch wirklich zu sind. „Habe ich die Türen abgeschlossen?“, fragt er dann, falls sich jemand in der Nähe befindet, dem diese Frage gestellt werden kann. Dieses Verhalten zeigt sich auch in vielen verschiedenen Bereichen seines Handelns. Seit mindestens 15 Jahren arbeitet Opa-Mann mit Computern. Naja, er benutzt den Computer halt um zu Schreiben, zu Rechnen und so was. Dazu gehört auch, schon mal die eine oder andere Datei zu kopieren. Ist er alleine am Rechner, macht er auch alles alleine. Ist aber zum Beispiel Vater-Mann anwesend, entspinnt oft ein kleiner Dialog wie der folgende: „So, die Datei habe ich jetzt gespeichert. Was muss ich den jetzt tun?“

„Wenn Du sie kopieren willst, kopiere sie halt und schiebe sie auf den Datenträger.“

„Und wie mache ich das jetzt?“

„Opa-Mann, mach es doch genauso, wie die letzten zehn Jahre. Es hat sich in dieser Beziehung wirklich nicht geändert, seit Du den Rechner das letzte Mal angemacht hast.“

Opa-Mann ist jemand, der still und leise große und weit tragende Pläne erstellt und diese Schritt für Schritt verwirklicht. Er spricht mit Menschen. Er sammelt Informationen, er ordnet, er lenkt. Und dann ist da ein Plan. Da ist dann ein Ziel. Da sind Menschen die eingebunden wurden und das gleiche Ziel verfolgen. Die eigenen Ideen dazu entwickeln. Und dann beginnt die Umsetzung. Schnell oder auch langsam. Flexibel und Sensibel auf das reagierend, was sich so im Umfeld des zu realisierenden bewegt. Opa-Mann hat Ausdauer. Er hat kein Problem damit, die gleiche Frage zum 20. oder 30. Mal neu zu behandeln. So also ob sie zum ersten Mal besprochen würde. Immer und immer wieder das erreichte in Frage zu stellen ist auch eine Stärke. Eine Stärke, die vielleicht auch mal dazu führt, zweimal zu kontrollieren, ob die Fahrzeugtüre auch wirklich zu ist. In der Phase der Realisierung eines Plans ist genau dies das Verhalten, welches dafür sorge trägt, dass wirklich das Ergebnis erreicht wird, was erreicht werden sollte und nicht das was sich eben so ergeben hat.

Vater-Mann hat sehr viel von Opa-Mann gelernt. Vieles, was nicht so einfach mit ein oder zwei Worten dargelegt werden könnte. Vor allen Dingen hat er gelernt, dass hinter dem ersten Schein, eine Tiefe steckt.

Opa-Mann ist wirklich an Menschen interessiert. Vater-Mann hat dies lange Zeit nicht wirklich verstanden und sich immer wieder gefragt, warum Opa-Mann soviel Zeit und Kraft (wie auch Oma-Frau) dafür opfern, anderen, denen es nicht so gut geht, zu helfen. Vater-Mann als Freizeit- und Hobbyzyniker hat immer nach einem Zweck gesucht und diesen einfach nicht finden können. Bis er es eines Tages glaubte verstanden zu haben. Dieses Engagement und das Bedürfnis dies zu tun zu müssen sind echt. Sie sind wirklich da.

Da Opa-Mann alles was er macht, gründlich und mit Ausdauer betreibt. Macht er es eben so wie er es macht. „Habe ich die Zwischentüre abgeschlossen? Bist du auch sicher?“ Ja, bin ich.

Dienstag, Juli 25, 2006

Weiter geht es mit Omi-Frau

(Das Bild kommt ein wenig später. Ist noch nicht fertig.)


Omi-Frau ist Skorpion. Von Skorpionen sagt man ja, sie werden oft in den Rücken geschossen. Dabei sind Skorpione gar nicht böse oder unfreundlich. Sie sind meist nur ein klein wenig... ungeduldig. Ja, das ist es. Es ist doch völlig klar, wie es richtig ist und wie gemacht werden muss. Warum brauchen diese Leute denn immer so lange, bis sie etwas kapieren, oder schlimmer noch… sie wissen wie es richtig ist und machen es trotzdem nicht richtig. Dann kann sie es ja gleich selbst machen. Da braucht sie dann keinen anderen für. Omi-Frau ist anspruchsvoll. Da sie weiß, wie etwas zu sein hat, wie es richtig ist, mit dem ungebremsten Hang zur Perfektion, können normale Menschen und Leute nicht immer mithalten. Immer gibt sie ihr Bestes. Erwartet dies aus innerster Überzeugung heraus auch von anderen. Was ja auch in Ordnung ist. Oder? Es kann wohl keiner etwas Schlechtes darin finden seine Aufgabe mit der größtmöglichen Präzision zu erfüllen. Daran kann man wohl nur wachsen.

Wie gesagt, sie ist ein bisschen Ungeduldig. Aber diese Ungeduld und auch die manchmal etwas schroffe Art mitzuteilen, dass doch jetzt endlich mal was gemacht werden sollte, stellen so was wie einen Schutzpanzer dar. Einen Schutzpanzer, der ein sehr empfindsames und (genau das ist es) sehr leicht zu verletzendes Wesen umschließt. Nimm dir alles zu Herzen, versuche jeden zu leiten und zu fördern, dann du wirst sehr schnell merken, dass Liebe nicht mit Liebe vergolten wird. Bist du dann ungeschützt, wirst du daran zerbrechen. Es muss einem Mantel geben. Einen Schutz. Es muss ein Refugium geben, wo wieder Kraft gefunden werden kann. Wer das nicht versteht, schaut nicht tief genug.

Omi-Frau ist Großzügig. Nicht nur zu den ihren. Zu denen natürlich in geradezu verschwenderischer Weise. Aber auch zu allen anderen. Wobei Großzügigkeit sich auf viele Bereiche erstreckt. Großzügig in der Kraft, die für andere zur Verfügung gestellt wird. Oft bis an die Grenze der eigenen Kraft und darüber hinaus. Kein Ende finden, obwohl es doch jetzt mal genug sein sollte.

Inzwischen schafft sie es auch mehr und mehr, die eigene Ungeduld zu zügeln. Hat gelernt, dass man vieles zwingen kann, aber doch nicht alles. Wenn du mal jemanden brauchst, dann melde dich bei ihr.

Samstag, Juli 22, 2006

Vater-Mann wird beschrieben


Vater-Mann ist einfach toll. Er ist nett, freundlich, hilfsbereit, zurückhaltend, distinguiert und, wer hätte auch jemals den geringsten Zweifel daran gehabt, äußerst Bescheiden.

Fast ließe sich dieser Beschreibung nichts mehr hinzufügen. Der Vollständigkeit halber sollen noch einige Details Erwähnung finden. Vater-Mann mag es, die Familie zusammen ist. Was bedeutet, jeder kann schon machen, was er will, wichtig ist nur das die Mitglieder der Familie in der Wohnung sind und nicht irgendwo anders. Wenn sie woanders sind, wird Vater-Mann immer unruhig. Das ist nicht ganz so schlimm, wie sich das jetzt anhören mag. Vater-Mann trägt seine Unruhe, wenn die abgemachte Zeit für die Heimkehr naht, mit Würde. Selbst dann noch, wenn die Zeit überschritten wurde. Er ist die Ruhe und Selbstbeherrschung in Person. Niemand der ihn nicht sehr gut kennt, schlösse daraus, dass er bedächtig die Wohnung durchmisst und hin und wieder den Zeitmesser konsultiert, dass Vater-Mann auf jemanden wartet. Auch der Umstand, das Vater-Mann in einer elegant schnellen Bewegungsabfolge die Wohnungstüre erreicht sobald es läutet, wird niemandem verraten, dass er vielleicht ein ganz klein wenig unruhig geworden sein könnte.

Manchmal geht Mutter-Frau abends weg. Einfach so. Sie behauptet immer, alles sei schon seit ewigen Zeiten bekannt und angekündigt. Vater-Mann bezweifelt dies hin und wieder. Oft kann er sich gar nicht daran erinnern, dass sie gesagt haben soll, sie sei an diesem oder jenem Tag wieder einmal auf Tour.

Oft entspinnt sich zu diesen Gelegenheiten ein Dialog zwischen Vater-Mann und Mutter-Frau, der auf Seiten von Vater-Mann von einem gewissen Informationsbedürfnis kündet: "Wo gehst Du denn heute wieder hin?". "Zur (hier kommt jetzt ein beliebiger Name, den Vater-Mann oft nicht einmal zuordnen kann)". "Aha, und wie lange bleibst Du heute?". "Ooch, wird nicht so lange dauern. Vielleicht bis (Jetzt folgt eine ungefähre Zeitangabe, die Vater-Mann jedes Mal aufs neue Erblassen lässt)". Vater-Mann ist tolerant, weshalb niemals in dieser Situation von ihm Einwände gegen die Ausgehaktion der Mutter-Frau hören wird. "Nimm bitte Dein Handy mit, falls mal was ist." "Ist gut." "Aber auch anmachen. Das letzte Mal habe ich versucht, dich zu erreichen und es ging nicht." "Ja, ist gut." "Und mach nicht so lang." Das sagt er so ganz nebenbei. Niemand würde diese Äußerung als Gequengel oder gar den Versuch missdeuten, Mutter-Frau dazu zu veranlassen, eventuell früher von diesem regelmäßigen Treffen nach Hause zu kommen. "Tschö", sagt Mutter-Frau. "Ja, tschö", sagt Vater-Mann, "Fahr vorsichtig". Meist fährt Mutter-Frau mit der Straßenbahn oder Tram, wie dieses Gefährt des öffentlichen Nahverkehrs in anderen Teilen dieses Landes genannt wird. Dann ist Mutter-Frau weg. Vater-Mann ist die Ruhe selbst. Siehe obige Beschreibung. Kurz vor der Zeit zu welcher Mutter-Frau meist wieder im trauten Heim eintrifft, greift Vater-Mann auch schon mal zu Telefon und ruft die Mutter-Frau auf ihrem Mobil-Telefon an. Einfach nur so. Nur mal sehen, ob sie noch weit weg ist. Könnte ja sein, dass irgendetwas ist. Vielleicht braucht sie dringend eine Information, oder einen Tipp. Oder so. Wenn dann die Wohnungstüre geöffnet wird, ist Vater-Mann wieder, ganz schnell und gelassen an der selbigen uns schließt ab. Geschafft! Alle sind da. Keiner fehlt. Nichts passiert. Heute.

Der ein oder andere könnte jetzt auf den (völlig falschen) Gedanken verfallen, Vater-Mann wäre vielleicht ein ganz klein bisschen Paranoid. Das ist es ganz und gar nicht. Vater-Mann ist nicht Paranoid, aber er weiß auch, dass man nie sicher sein kann, dass sie nicht hinter einem her sind. Ganz besonders dann, wenn man nicht Paranoid ist.

An dieser Stelle muss jetzt mal in aller Kürze beschrieben werden, wie es dazu kam, dass Vater-Mann jedes Mal, wenn Mutter-Frau abends zu einem Treffen geht, von einer gewissen, wie soll ich sagen, Unruhe erfasst wird.

Das war so: Zu der Zeit, als der Kleine Bruder noch nicht da war, war Vater-Mann mit Tochter-Kind allein Zuhause. Irgendwann war es an der Zeit das Tochter-Kind ins Reich des Schlafes überwechseln sollte und dies auch tat.

Vater-Mann kannte keine Unruhe, wenn ein Mitglied der Familie nicht Zuhause war. Da es ein anstrengender Tag gewesen war, ging auch Vater-Mann schlafen. Normalerweise wurde Vater-Mann in der Nacht schon mal so halbwach, griff neben sich und spürte dann meist, dass Mutter-Frau da war. Und alles war gut. Nicht so in dieser Nacht. "Na ja", dachte er sich, "dann kommt sie eben gleich", dachte es und schlief wieder ein. Das nächste Erwachen war dann so gegen 3 Uhr früh. Hand ausgestreckt. Nichts. "Hmm?!". Mal aufgerichtet, sich umgesehen. Nichts, keine Mutter-Frau. Aufgestanden, in den anderen Räumen nachgesehen. Wieder nichts. Seltsam. Ob sie vielleicht bei den Bekannten für die Nacht geblieben war, weil es vielleicht zu spät geworden war? Zum anrufen war es ja etwas sehr spät. "Na, warte noch ein bisschen". Gegen 4 Uhr früh immer noch nichts. Auch keine Meldung auf dem Anrufbeantworter. "Ich ruf jetzt doch mal an". 4 Uhr Morgens, dass Rufzeichen ertönt im Hörer. Der Anrufbeantworter schaltet sich ein. "Hallo, Vater-Mann hier. Tut mir leid, wenn ich so spät noch anrufe, aber ist Mutter-Frau bei euch geblieben? Wenn ja, gebt mir mal Bescheid.“ Nicht wirklich befriedigend. Wenige Minuten später klingelt das Telefon. "Hallo, wir haben deine Nachricht abgehört, Mutter-Frau ist nicht bei uns. Sie ist gestern Abend, so gegen halb 10 weg". Jetzt begann Vater-Mann sich ernstlich Sorgen zu machen. Polizei und Feuerwehr anrufen, "hat es einen Unfall gegeben?". Das ganze Programm. Raus gehen und sie suchen gehen konnte Vater-Mann auch nicht. Immerhin schlief im Kinderzimmer das Tochter-Kind. Das konnte ja nicht einfach allein gelassen werden. Eine vertrackte Situation… .

Vater-Mann rief bei den Großeltern an. (Die werden später noch vorgestellt. Bei einer schöneren Gelegenheit.) Dort war die Besorgnis nicht ganz so groß. Ein ausgeprägteres Grundvertrauen war vorhanden. "Wenn Du los willst und (jetzt wird es schwierig, denn Mutter-Frau ist ja das Tochter-Kind von Großmutter-Frau) mein Tochter-Kind suchen willst (na, wenn das keine Lösung ist.), dann bring dein Tochter-Kind zu uns". Das hieß jetzt Tochter-Kind aus dem Schlaf reißen, anziehen, erklären, dass Vater-Mann dringend etwas tun muss. Tochter-Kind ist noch nicht richtig wach, halb angezogen, fängt an zu weinen. Sie merkt, dass etwas nicht stimmt. Vater-Mann ist sehr beunruhigt.

Das Telefon klingelt. Klingelt noch mal. Vater-Mann will mehrere Dinge gleichzeitig erledigen. Lässt Tochter-Kind kurz allen (sehr ungern). Rennt zum Telefon: "Hallo, mein Schatz, bist Du jetzt wach?". Mutter-Frau ist am anderen Ende der Leitung. "Mutter-Frau", schreit Vater-Mann in die Sprechmuschel. Erleichterung, aber auch eine ungeheure Spannung brechen durch diese beiden Worte aus Vater-Mann heraus, "wo bist du?"

Es gäbe noch viele Details zu vermelden. Kurz zusammengefasst war folgendes passiert. Mutter-Frau hatte ihren Schlüssel vergessen. "Nicht schlimm", dachte sie, "Vater-Mann" ist ja zu Hause. Aber Vater-Mann schlief. Vater-Mann hörte keine Türklingel. Mutter-Frau klingelte bei einer Nachbarin im Haus gegenüber und verbrachte dort die Nacht. Morgens gegen 6,30 Uhr rief sie dann Vater-Mann an. Der verspürte ob der Erleichterung keine Freude, es tat richtig weh. Das ist doch ein guter Grund ab und zu mal zu fragen, wann man wieder zu Hause ist, Oder?

Die Konsequenzen: Vater-Mann geht erst dann in Bett, wenn alle zu Hause sind. Vater-Mann fragt immer so Sachen wie: "hast du deinen Schlüssel eingesteckt?", "hast du dein Handy mit?", "ist es eingeschaltet".

Kleine Ursache, sehr lang anhaltende und tief greifende Wirkung.

Manchmal ist das Mutter-Frau und auch den Kindern auf die Nerven gegangen. Besonders Mutter-Frau fühlte sich eine ganze Weile lang richtig Kontrolliert und Eingeengt. Später dann hat sie sich in ihr Schicksal ergeben. Sie hat es dann auch eingesehen...

Vater-Mann geht am Wochenende immer spazieren. Allein. In die Stadt. Nicht immer die gleiche Runde, aber immer sehr ähnlich. Das dauert dann ein paar Stunden, dann kommt Vater-Mann zurück, schläft eine oder zwei Stunden.

Irgendwann fing dann Mutter-Frau an, Vater-Mann zum Abschied zu befragen: "Wo gehst du hin?, Wann kommst du wieder?, und so weiter". Vater-Mann hat sie schon sehr merkwürdig angesehen. Was war denn mit der Mutter-Frau auf einmal los? "Was willst denn Du?". "Wieso? Wissen will ich es halt."

Vieles mehr ließe sich noch erzählen. Vieles wird noch erzählt werden. An der richtigen Stelle und zur richtigen Zeit. Die Hauptpersonen der Menschen-Familie sind vorgestellt.

Montag, Juli 17, 2006

Die Beschreibung der Mutter-Frau


Die Mutter-Frau hält es mit dem Vater-Mann aus. Schon viele Jahre. Das hat keine andere …-Frau geschafft. Manche sagen, eigentlich ist das auch gar nicht möglich. Sie beweist das Gegenteil.

Mutter-Frau geht alle Aufgaben so an, als sei es die wichtigste Aufgabe überhaupt. Wichtiger als alles andere. In diesem Moment. Im nächsten Moment, wenn nötig, ist die nächste Aufgabe die Wichtigste. Das Aufgehen im Augenblick, das Hingeben an das was getan wird ist ein Aspekt, des Wesens der Mutter-Frau, der es ihr möglich macht auch mit dem Vater-Mann, dem Tochter-Kind und dem Sohn-Kind in Harmonie zu leben. Auch wenn alle, außer dem Vater-Mann immer Aufräumen sollen. Aber das hatten wir ja schon.

Mutter-Frau verbindet die Menschen in dieser Familie und macht sie dadurch zur Menschen-Familie. Diese Geschichte würde gar nicht geschrieben sein, wenn Mutter-Frau nicht so wäre. Was für eine Vorstellung!

Vater-Mann kriegt so viel von dem Leben der Mutter-Frau mit dem Tochter-Kind und dem Sohn-Kind nicht mit. Nur den Teil, der sich abspielt, wenn der Abend naht oder der Teil des Wochenendes, an dem der Vater-Mann zu Hause ist. Vieles spielt sich im Stillen ab. Dennoch tauscht es sich aus, findet die Gemeinsamkeit und stärkt den anderen.

Mutter-Frau sabbert! "Tu ich nicht!". "Tust Du doch, stimmt das Tochter-Kind?". "Ja, liebster Herr Vater.". "Ha, siehst Du?!"

Frau Mutter küsst nämlich die anderen Familienmitglieder zur Begrüßung und zum Abschied. Immer wenn sie den Vater-Mann geküsst hat, kommt es zu einer Szene, ähnlich der obigen. "Du sabberst.“ Das weitere kann im vorangehenden Absatz nachgelesen werden.

Du willst jetzt wissen, ob ihre Küsse wirklich feucht sind; Mutter-Frau also wirklich sabbert?

Virtuell schon! Muss so sein, sonst wäre es ja schon wieder gelogen, wenn Vater-Mann sagte: "Du sabberst". Und dass Vater-Mann nicht lügt, versteht sich wohl von selbst.

Mutter-Frau ist Buddhistin. Was das ist? Wenn man es sich einfach machen will, wird gesagt, Buddhismus ist eine Religion. Das ist richtig und es ist falsch. Wieso? Weil fast alle Religionen suchen den Gott außerhalb von sich. Im Buddhismus sucht man den Gott in sich selbst. Bei den meisten Religionen gibt es andere die Verantwortlich sind, für sich selbst und für den jeweiligen Zustand, in dem man sich befindet. Im Buddhismus ist man allein für sich Verantwortlich. Um das wirklich leben zu können, ist ein ständiges sich selbst daran erinnern wichtig. Wie leicht macht man andere oder "gewisse" Umstände für etwas verantwortlich? Das ist leichter und einfacher, Selbstverantwortung macht zwar frei, wer will denn schon wirklich frei sein? Frei sein ist permanente Arbeit. Verantwortung abgeben ist bequem.

Mutter-Frau kann nicht verstanden werden wenn du nicht weißt, dass Buddhismus für sie sehr wichtig ist. Mutter-Frau ist Religiös und auch wieder nicht. Die Definition ist wichtig. Wie kann es Religion sein, wenn es keinen Gott außerhalb gibt? Ja, wie? Das ist eine sehr interessante Frage. Die hier jedoch nicht beantwortet wird.

Also ist sie immer lieb und würde nie etwas Gewalttätiges gutheißen. Mit einer Ausnahme. Mutter-Frau ist ein Krimi-Fan. Egal ob Buch, egal ob Film Mutter-Frau schaut sich die Krimis an. Mit den ganzen Toten und den so verschiedenen Kommissaren. Manche findet sie gut, andere schaut sie sich "trotzdem" an. Abgründe tun sich da auf. Weltbilder werden zu neuen Bildern verschmolzen und Indizien und wilde Spekulationen bilden ein Geflecht, das es zu durchdringen gilt. Am Ende gewinnt entweder das Gute (in den Serien meist), oder auch mal nicht. Darauf kommt es aber eigentlich nicht an. In dieser Welt zu leben und sich sowie die eigene Wahrnehmung nicht zu beschränken, offen zu sein und nicht dogmatisch, das schöne und gute anzustreben und doch zu wissen, es gibt auch die andere, dunkle Seite der Seele, das macht die Mutter-Frau aus.

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Ich bin ein enthusiastischer Misantrop und Agniologe.